Klassische Briefmarken

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Die Dreiecke der arabischen Nächte

Es geht heute mal nicht um die bekanntesten Dreiecksmarken der Klassik, die Dreiecke des Kaps der Guten Hoffnung, sondern um gänzlich unbekannte in verschiedenen Farben leuchtende und mit arabischen Schriftzeichen versehene Marken.

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Das Auffinden 4 dieser Marken in einer wirklich total zerfledderten Schwarte aus den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts überraschte mich, da sonst so gut wie nichts darin war. Da ich mich mit Arabischen Schriftzeichen noch nicht einmal etwas auskenne unterblieb der Versuch anhand der Beschriftung diese Marken zu identifizieren. Das einzige was blieb war den Stempel datumsmäßig auszuwerten, da auf ihm die Jahreszahl 1922 lesbar war. Ich wusste also nun, das die Marken wahrscheinlich Anfang der 20er Jahre im Arabischen Raum heraus gegeben wurden. Aber wo ? Und waren es Postwertzeichen ? Oder Verrechnungsmarken ? Oder Nachportomarken ? Oder Dienstmarken ? Oder Phantasieprodukte ? Viele Fragen und keine Antworten – also Kataloge gewälzt- zumindest den arabischen Raum – kein Ergebnis. Im Album klebten sie leider auf einer neutralen Leerseite. So nahm ich mir ein paar meiner Alben aus dieser Zeit und versuchte aus diesen eventuell Vordrucke zu finden – Fehlanzeige. Aber plötzlich in dem , wie immer, letzten Album fand ich im Anhang eine dieser Marken in blau mit rotem Stempel, die zu meinen passte. Über die Marke hatte ein Sammler vor Urzeiten mit der Schrift eines Achtzigjährigen Abessinien geschrieben. Nun muss man wissen, das der Begriff Abessinien die uralte Bezeichnung für den heutigen Staat Äthiopien in Nordostafrika ist. Jetzt konnte ich sie zeitlich und räumlich einordnen. Allerdings war im Michelkatalog unter Äthiopien nichts vergleichbares zu finden. Hier ist nun weiterhin die Frage wozu dienten jene Marken ? Eine kurze Recherche zu Äthiopien in der Literatur sagt uns: Abessinien (Äthiopien) afrikanisches Kaiserreich verausgabt seit 1894 Postwertzeichen, die ersten Ausgaben bis 1908 sind eigentlich Privatpostmarken, da vom seinerzeitigen Postminister aus eigener Schatulle bezahlt. Die Staatspost hat dann bis 1935 Briefmarken heraus gegeben und bis 1942 gab es keine eigenständige Ausgabepolitik, da Äthiopien Italienische Kolonie war. Im Zeitraum der Abstempelung unserer Marken gab es also eine eigenständige Ausgabe von Postwertzeichen Abessiniens.

Soviel zur Markengeschichte der Klassik und Semiklassik Äthiopiens – Nun kommt das neue Medium Internet zum Vorschein !! Nun stieß ich beim Suchen im Internet auf eine interessante Homepage aus Italien: Identifizierung von unbekannten Marken, welche sich mit unbekannten Marken beschäftigt , d.h. die Internetnutzer können Fragen zu Marken mitsamt Bild mailen und diese Frage wird dann ins Netz gestellt . Jetzt können andere, die diese Marken kennen Antwort geben, funktioniert wohl ganz gut , denn beim Durchblättern der Fragen überraschte mich folgende :

#40


One more triangular mystery.
I have no clues about this stamp (?). What can it be?
Posted by Stefano on 16/01/98

ANSWERS:

#40. This stamp's design style is very reminiscent of the stamps of Hejaz (now part of Saudi Arabia) from the early 1920s. Could it perhaps be a revenue stamp?
Dave Joll

#40 This is one of a set of five Arabian fantasies said to have been printed in Poland in 1922 [Chapier, "Les Timbres de Fantaisie"].
Rick Scott

Nun war klar die Marken waren sogar Literaturbekannt als Arabische Phantasien (eigentlich wohl aus Polen um 1922) Da passte alles wieder zusammen. Arabische Phantasien – das hört sich an wie Geschichten aus tausend und eine Nacht

Aber wir sehen – so spannend kann die Suche nach der Klassifizierung von unbekannten Marken sein. Zumal wenn sie wie hier auch noch ein ansprechendes Äußeres haben und somit eine optische Bereicherung der semiklassischen Markenkollektion darstellen. Zudem haben wir wieder etwas über die Landes und Postgeschichte von Äthiopien gelernt.
 

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